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Mohamed Ali

2003 aus Eritrea in die Schweiz gekommen

Irgendwann sagte ich mir: diesen Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien braucht es nicht – warum können diese beiden Länder ihre Probleme nicht zusammen an einen Tisch regeln? Aufgewachsen bin ich in Asmara, der Hauptstadt Eritreas. Nach der Schule war ich fünf Jahre lang im Militär. In Eritrea wird man auf unbestimmte Zeit zum Militärdienst gezwungen. Ich machte eine Ausbildung zum Soldat, musste einen Monat lang durchs ganze Land marschieren, ohne Unterbruch, danach wurde ich an die Front geschickt. Indieser Zeit starb mein Vater, aber die Behörden sagten es mir erst nach einem Monat. 

Ich war so wütend und blieb nach dem Urlaub einfach zuhause. Sie kamen mich holen, fesselten mich an den Armen und Füssen und liessen mich zur Strafe einen Monat draussen. Nach einem zweiten Urlaub beschloss ich, Eritrea zu verlassen. Wir verkauften das Auto meines verstorbenen Vaters und zahlten jemanden, der mich in den Sudan brachte. Ich war 21-jährig und zum ersten Mal ganz allein. Der Schlepper hatte mir statt des richtigen sudanesischen Kaftans nur einen Unterrock mitgegeben – und so wurde ich auf der Strasse als Ausländer erkannt. Ein Eritreer sprach mich an und half mir, in die Hauptstadt zu kommen. Ich bin 2003 mit dem Flugzeug in die Schweiz gekommen. Warum hierher? Für uns steht die Schweiz für Neutralität, für die Genfer Flüchtlingskonvention, für Freiheit und Ruhe. 

Ich kam nach Vallorbe, danach ins Wallis und durchlief das Asylverfahren. Da die Eritreer rund um mich viel älter waren, suchte ich den Anschluss zu Gleichaltrigen – und lernte so Französisch. Später besuchte ich noch einen Intensiv- Sprachkurs. Ich konnte Praktika als Schreiner und Schlosser machen. Das Asylzentrum suchte Bücher in meiner Sprache Tigrinja. Ich vermittelte die Bücher und begann für sie zu übersetzen. Nachdem ich als Flüchtling anerkannt wurde, machte ich eine Ausbildung als Übersetzer und Begleiter von Flüchtlingen im Integrationsprozess. Heute arbeite ich nicht nur als Flüchtlingsbegleiter fürs Rote Kreuz im Wallis, sondern auch als Nachtwächter im Asylzentrum St. Gingolph und Les Barges.

Und ich bin Moderator von Frauen- und Männer-Tischen. Ich mag diese Gesprächsrunden sehr. Ich beginne immer mit den Moderationssets zu Krankenkasse und Budget. Über diese sachlichen Fragen baue ich ein Vertrauensverhältnis zu den Männern auf. Aber am liebsten moderiere ich das Thema «Liebe, Ehe und Partnerschaft». Wir treffen uns jeweils am Nachmittag, wenn es schön ruhig ist, in einem Restaurant der Migros oder Coop. Ich nehme Frauen und Männer zusammen, denn so lernen sie sich gegenseitig besser kennen. Ich stelle fest, dass viele Männer und Frauen wenig voneinander wissen. Bei uns denkt der Mann zum Beispiel, wenn sich seine Frau reserviert gibt, dass sie ihn nicht liebe oder einen anderen Mann habe. Ich ermuntere die Frauen und Männer, sich auszudrücken. So helfe ich mit, diese Mentalität zu ändern. Ich säe langsam kleine Samenfür Respekt und gegenseitiges Verständnis.

Gesundheit Förderung Wallis (GFW)
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