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Artikel 1: Ergebnisse der Studie «Finanzieller Missbrauch von Menschen ab 55 Jahren»

In dieser Jahreszeit vor den Feiertagen hat sicherlich jeder schon einmal hartnäckige Anrufe erhalten, bei denen herausragende Weine, hochwertiges Olivenöl und Bio-Kosmetik in Premium-Qualität zu horrenden Preisen angepriesen wurden. Bei derartigen zweifelhaften Geschäftspraktiken handelt es sich um eine Form von finanziellem Missbrauch, dem Senioren leider viel zu häufig zum Opfer fallen.

Das Institut zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität (ILCE) der Haute Ecole Arc Neuenburg hat sich im Auftrag von Pro Senectute Schweiz erstmals mit der Frage beschäftigt und am 22. November 2018 die Ergebnisse der ersten nationalen Studie zum Ausmass des Finanzmissbrauchs bei Menschen ab 55 Jahren präsentiert.

Um das Ausmass dieses Phänomens in unserer Gesellschaft aufzuzeigen und anschliessend gezielte Präventionsmassnahmen für Senioren auszuarbeiten, hat das ILCE mit Fachpersonen gesprochen und zunächst 31 Formen von Finanzmissbrauch erfasst und in 5 Kategorien unterteilt:

  1. Zweifelhafte Geschäftspraktiken, beispielsweise der Verkauf von Waren zu überhöhten Preisen;
  2. Cyberkriminalität, die insbesondere in Form von falschen Anzeigen im Internet, Phishing oder sogenannten «Love-Scams», bei denen die Gefühle missbraucht werden, bekannt ist; 
  3. Betrug mit Maschen wie fiktiven Schulden, «Erst Vorschuss, dann Gewinn», oder dem «Polizistentrick»;
  4. Diebstähle, beispielsweise am Bankomat, denen jedes Jahr viele Senioren zum Opfer fallen;
  5. Finanzielle Ausnutzung im Rahmen einer Vertrauensbeziehung. 1'250 Senioren aus der Westschweiz, der Deutschschweiz und der italienischen Schweiz wurden zu dem Thema befragt, um herauszufinden, ob sie in den letzten 5 Jahren selbst von Betrügern ins Visier genommen wurden oder einem solchen Betrug zum Opfer gefallen sind.

Die Ergebnisse waren hoch interessant:

  • einer von vier Senioren war in den letzten 5 Jahren finanziellem Missbrauch zum Opfer gefallen. 
  • Männer waren häufiger betroffen als Frauen, was sich insbesondere dadurch erklären lässt, dass sie Informationstechnologien stärker nutzen und finanziell unabhängiger sind. Unter den Westschweizern ist die Zahl der Opfer grösser als unter den Deutschschweizern.
  • die Zahl der französischsprachigen Personen weltweit ist grösser als die Zahl der deutschsprachigen und die Bevölkerung der Deutschschweiz ist besser über finanziellen Missbrauch informiert als ihre Nachbarn.
  • Menschen zwischen 55 und 64 Jahren und Menschen über 85 sind am häufigsten betroffen, vor allem, weil die 55- und 64-Jährigen grosse Nutzer von Informationstechnologien sind und Menschen über 85 am meisten gefährdet sind.
  • 61 % der Opfer sprechen mit niemandem darüber und Senioren, die bereits über finanziellen Missbrauch informiert sind, haben ihre Informationen aus traditionellen Medien erhalten (Presse, Fernsehen und Radio).

Eine vollständige Beschreibung der verschiedenen Kategorien von finanziellem Missbrauch sowie die vollständigen Studienergebnisse stehen hier zur Verfügung:https://prosenectute.ch/de/dienstleistungen/publikationen/studien/finanzieller-missbrauch.html

Für weitere Informationen:

-         «Prävention von finanziellem Missbrauch bei älteren Menschen durch die Polizei» des Genfer Polizei-Leutnants Giovanni Martinelli

-         «Cyberthé – Generationen-Workshop rund um das Thema Informatik»

-         «Die psychologischen Auswirkungen von finanziellem Missbrauch auf die Opfer», von Delphine Roulet Schwab, Präsidentin des Vereins Alter Ego

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